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Reinis Shitty Films

Die Gedenkseite für den cineastischen Sondermüll - A German Trash-Movie-Blog


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Donnerstag, Juni 02, 2005

Gastreview von Jan: "Enron: The smartest guys in the room"


Der Untergang von Enron oder "Ask why... asshole"

Der größte Thrashfilm dieser Saison dürfte ja wohl unbesehen „Episode 3“ werden. Die Ehre der Rezension dieses Machwerks, das wir uns trotzdem wohl alle wieder anguschauen müssen, überlasse ich aber lieber Reini (Anm. d. Redaktion: Nananaaa.. ich bin SW-Fan, deswegen gibt es hier in Kürze stattdessen ein Review von "Turkish Star Wars"). Stattdessen ein ernsthafter Dokumentarfilmvorschlag über ein ernsthaftes Thema, das unterhaltsam präsentiert wird. In der Reihe der guten und kritischen US-Dokumentarfilme, der letzten Jahre (u.a. „Bowling for Columbine“, „Fahrenheit 9/11“, „Supersize me“, „The Fog of War“) reiht sich nun ein weiterer ein: „Enron: The smartest guys in the room“ von Alex Gibney. Er basiert auf dem gleichnamigen Buch von Bethany McLean und Peter Elkind. Erstere hatte den Untergang Enrons mit einem Artikel im Frühjahr 2001 ins Rollen gebracht, in dem sie vermutete, dass einige Posten in den Bilanzen zu hoch bewertet sind. Das der ganze Laden durch und durch Morsch war ahnte zu dem Zeitpunkt noch keiner. Keiner? Nein, eine kleine Schar Chief Executives der Firma wussten es und das nicht erst seit kurzer Zeit, sondern eigentlich von Anfang an...
Enron, das war einmal das siebtgrößte Unternehmen der USA, wurde sechs Mal von Forbes zum innovativsten Unternehmen des Jahres gekürt... und brachte den Vereinigten Staaten im Herbst 2001 die größte kriminelle Firmenpleite seiner Geschichte.
Mit Hilfe von Interviews der Mitarbeiter, Ausschnitten aus den Hearings vor Gericht, internen Filmaufnahmen und Mitschnitten von Telefongesprächen von Händlern wird das Bild eines Unternehmens gezeichnet, das von Anfang an nur ein Ziel hatte: Der Firmenleitung maximale Gewinne zu verschaffen bei gleichzeitiger Verschleierung der Tatsache, dass die Firma eigentlich gar keine Gewinne erzielt. Es ging wohlgemerkt um maximale Gewinne für die Chief Executives nicht für die Aktionäre oder Investoren, wie unbedarfte BWLer glauben könnten.

Warum schlage ich diesen Dokumentarfilm auf einer Seite für Horrorfilme (Anm. d. Redaktion: Nicht nur Horror...) vor? Nun, das Personalkabinett bei Enron hätte locker einem Horrorfilm entnommen worden sein:
Horrorfilme sind häufig gespickt mit Menschen deren Arroganz, Selbstüberschätzung, Gier, Machtgeilheit und vermeintliche Experimentierfreude schreckliches vollbringen. Garniert werden diese Filme oft mit schockierend schrecklichen aber auch komischen Pointen. Nun, in diesem Film ist es genauso. Denn erzählt wird die Geschichte von:


Dan Lay The smart guy who created a card house on an oil pool
Dan Lay war das Mastermind hinter Enron. Aus dem Zusammenschluss von Houston Natural Gas mit InterNorth einer Ölfirm aus Omaha/Nebraska 1985 lässt er Enron entstehen. Einen Gemischtwarenladen der mit Öl, Energie, Börsenspekulationen und einer ganzen Palette anderer Unternehmen einen modernen Grosskonzern bildete. Keines der Unternehmen konnte bis zuletzt ernsthaft Gewinne erzielen.

Jeff Skilling the fucking smartest asshole in the room...
Jeffrey Skilling, ein Mann für den das Wort Selbstüberschätzung, wenn es das nicht schon gäbe, noch erfunden werden müsste. Harvard Absolvent, natürlich einer der besten seines Jahrgangs, wurde er einmal von seinem Professor gefragt, ob er sich für smart halte. Natürlich antwortete er mit: „I am... fucking smart!“ Dieser Mann war tatsächlich so clever, dass er es immer wieder schaffte seine Mitarbeiter und vor allem die Investoren zu blenden. Durch seine brillante Überzeugungskraft und Ideen entstand der Eindruck Enron sei tatsächlich ein Unternehmen neuer Generation, das bei Innovation und Kreativität anderen um Lichtjahre voraus ist. Vor allem aber war er der Erfinder der Mark-to-market Strategie, die es dem Unternehmen erlaubte zukünftige, fiktiv anfallende Gewinne schon bei Vertragsabschluss zu verbuchen. Das war nun wirklich eine verdammt smarte Idee, die das Unternehmen sicherlich einige Jahre länger hat überleben lassen...
Als Enron dann in die Schlagzeilen kam, war er allerdings nicht in der Lage den nachfragenden Journalisten zu erklären wo eigentlich die Gewinne her kamen. Nun, er sei Chef und kein Buchhalter war seine schwache Entschuldigung. Ein Investor drängte ihn so weit in die Ecke, dass er diesen schliesslich als Arschloch bezeichnete.
Woraufhin vorwitzige Mitarbeiter den mantraartig verbreiteten Enron Werbeslogan: „Ask Why... Enron“ in ein „Ask Why... Asshole“ umtauften.


Lou Pai the smart guy who fucks in the room
Von CEO Lou Pai wusste eigentlich keiner so richtig was er da machte. Bekannt war er dafür, dass er nach der Arbeit in Stripteasschuppen ging. Er zeigte auch gerne mal Stripperinnen nachts sein Büro, damit sie ihm glaubten, dass er tatsächlich ein starker Chef sei. Seine Kollegen fragten ihn interessiert wie er es eigentlich schaffe, dass seine Frau nicht das Parfum der Stripperinnen rieche. Nun, sagte er, auf dem Weg nach Hause halte ich immer noch an der Tankstelle und tröpfle ein bisschen Benzin auf meinen Anzug. Auch wenn ihr Mann irgendwie in der Ölbranche arbeitete wurde seine Frau wohl eines Tages wohl doch über den vielen Benzingeruch irritiert... und liess sich scheiden. Daraufhin kündigte Lou Pai, verkaufte seine Anteile (Kaufwert ca. 4 Millionen Dollar) für ca. 300 Millionen Dollar, setzte sich mit einer Stripperin nach Colorado ab und ist dort heute größter Landbesitzer.


Andy Fastow the smart guy who doesn’t like to look bad…
Aber irgendwie musste der Eindruck entstehen, dass Geldströme in die Firma fliessen. Dazu brauchte man einen cleveren Mann mit guten Ideen, man fand ihn in Andy Fastow als CFO. Er schaffte es ein Gestrüpp von Firmen und Fonds zu kreieren, die mit Enron irgendwie verbunden waren und Geldströme an Enron abgaben. Für seine Meisterleistung, ein Fonds Namens LJM, schaffte er es als Investoren 96 namenhafte Banken (u.a. Meryl Lynch, JP Morgan auch Deutsche Bank und Commerzbank), als Investoren zu gewinnen.
Die Journalistin McLean erinnert sich, dass nach einem Gespräch mit Fastow und zwei weiteren Enron-Managern über die Unstimmigkeiten in den Bilanzen Fastow als letzter den Raum verließ, sich noch einmal umdrehte und zu ihr sagte: Mir ist egal was sie in ihrem Artikel über Enron schreiben, aber lassen sie mich nicht schlecht aussehen...

Und womit machte das Unternehmen eigentlich wirklich Gewinne? Tim Belden Chef von Enrons West Coast Trading Desk schaffte es 1999 aus dem liberalisierten Energiemarkt in Kalifornien Millionen von Dollar zu pressen. Die Händler baten erfolgreich die Kraftwerksbetreiber ihre Anlagen für eine Weile vom Netz zu nehmen, wodurch der Energiepreis ins unermessliche stieg. Im Film hört man Telefongespräche der feixenden und selbst erstaunten Enron-Händler über ihre Erfolge („Hahahah - let them use fucking candles“)

Alex Gibney schafft es einen mit seinen Ausschnitten über knapp zwei Stunden zu unterhalten und schockieren. Im Mittelpunkt des Filmes stehen oben beschriebene Personen. Etwas zu kurz kommt die Zeit des Aufstiegs des Unternehmens und die Krisen, welche die Pleite ausgelöst haben. Bei Gibney klingt stark Kritik an Kapitalismus, neoliberaler Wirtschaftspolitik und der Bush Administration an. Man mag unterschiedlicher Meinung über diese Themen sein. Schockieren dürfte alle, die Moralvorstellungen haben, die unglaubliche Arroganz und Kaltblütigkeit mit der hier Millionen Dollar der Investoren und eigenen Mitarbeiter (durch Pensionen und Aktienanteilen) verbrannt bzw. in die eigene Tasche geleitet wurden.

Zum weiterlesen:

2 Comments:

At 6:14 nachm., Anonymous Anonym said...

Hmm, ich weiß ja nicht, zur Zeit stehe ich auf den "totalen Trash", aber was solls ... irgendwie kommt mir die Story bekannt vor, sind die Mitarbeiter jetzt alle bei der Versatel?! ;-)))
Gruß
Danielo

 
At 9:07 nachm., Blogger Reini said...

:-))))

 

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